Geschichte des Akademischen Vereins

Bei einer Exkursion der „Polytechnischen Schule Darmstadt", des Vorgängers der heutigen TU, wurde die Gründung eines allgemeinen Vereins zur Vertretung studentischer Interessen beschlossen. Am 11. Januar 1872 wurde der Verein mit dem Namen „Akademischer Verein" gegründet. Satzungsmäßiger Vereinszweck war „eine innige Vereinigung der Studierenden…, kräftige Vertretung ihrer Interessen, Förderung wissenschaftlicher und geselliger Bestrebungen und Pflege der Musik, des Gesanges und des Turnens“. Dem jungen Verein stand ein eigenes Lesezimmer und Ausschußlokal im Gebäude des Polytechnikums zur Verfügung. Eine Bibliothek wurde eingerichtet und wissenschaftliche Vorträge abgehalten. Vorübergehend wurden Skizzenblätter herausgegeben.

Altes AV-Haus
Altes AV-Haus

Im Jahre 1876 schloss sich der „Akademische Musikverein" an, was dem Musikleben des Vereins wesentlichen Auftrieb verschaffte. Im Folgejahr übernahm der Akademische Verein für die Großherzoglich Hessische Polytechnische Schule die Gestaltung der 100. Geburtstagsfeier des Mathematikers Carl Friedrich Gauß. „Als ein wertvolles Zeugnis der Anerkennung und Würdigung …, als eine Bürgschaft für die gedeihliche Fortentwicklung des Vereins“ galt die Übernahme des Protektorats durch den Großherzog Ludwig IV im WS 1877/78, fortgesetzt von dessen Nachfolger, Großherzog Ernst Ludwig, bis 1918.

 

Öffentliche Benefizkonzerte, Theater- und Ballveranstaltungen zum Besten hessischer Lehrerwitwen und –waisen bezeugen das besondere soziale Engagement des Vereins seit seiner Gründung und bis etwa 1902. Auf diese Weise wurden auch Mittel für die Verbreiterung und Bepflanzung des Martinspfades in Bessungen, für die Errichtung des Goethedenkmals im Herrngarten und für den Bau des Bismarckturms der Studentenschaft auf dem Dommersberg eingespielt. So war der Akademische Verein schon frühzeitig in das Kulturleben der Stadt Darmstadt integriert. Zur Hochschule bestanden enge und freundschaftliche Kontakte. Mehrere Professoren wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt und der Verein erhielt den Namenszusatz „Akademischer Verein an der Großherzoglich Technischen Hochschule zu Darmstadt“.

 

Im Jahre 1884 erfolgte die Gründung des Ehemaligenverbandes in Frankfurt am Main. So gestärkt konnte der Verein bei der Vorbereitung und Ausrichtung der Feier zum 50jährigen Bestehen der Technischen Hochschule im Jahre 1886 eine führende Rolle übernehmen. Der Akademische Verein war Gründungsmitglied des „Allgemeiner Deutscher Polytechniker-Verband“ bzw. dessen Nachfolgeorganisation im Zeitraum von 1878 bis 1886. Als dann 1889 ein allgemeiner „Ausschuß der Studierenden“ an der Technischen Hochschule Darmstadt gegründet wurde, oblag die Vertretung der Studentenschaft endgültig nicht mehr dem Akademischen Verein. Zwar entsprach die seinerzeitige Stellung und Organisation der Studentenschaft nicht heutigen Vorstellungen und das hohe Ziel des Akademischen Vereins war vermutlich mehr Anspruch, den es einzulösen galt, als Realität. Dennoch liefert die hohe Studentenzahl, die sich im Akademischen Verein zusammenschloss, einen wichtigen Hinweis: Gleich bei der Vereinsgründung entschlossen sich 30% der Studentenschaft zum Vereinsbeitritt und bis Ende der 1870er Jahre stieg dieser Wert auf 50%. Um dem allgemeinen Vertretungsanspruch gerecht zu werden, konnte es im frühen Akademischen Verein keine besonderen, ausgrenzenden studentischen Gepflogenheiten geben. Band und Mütze wurden niemals getragen. Erst 1886 zum 50sten Hochschuljubiläum stifteten Darmstädter Damen eine Vereinsfahne in den Landesfarben, dazu Paradeschläger und Schärpen für den „Frackwichs“ des Vorstands. Im Jahre 1889 erklärte sich der Akademische Verein zur Korporation, erlaubte keine Doppelmitgliedschaften mehr und beendete den bisherigen losen interkorporativen Zusammenschluss. Für den großen Festzug von 1900 anlässlich des 500. Geburtstags Johannes Gutenbergs in Mainz wurde für die Vorstandsmitglieder „Vollwichs“ mit schwarzer Pekeschenjacke, weißer Hose und Stulpenstiefel angeschafft.

 

Der Verein erwarb im Jahre 1902 ein eigenes Haus und bezog es ein Jahr später nach gründlichem Ausbau im Rahmen einer feierlichen Einweihung.

 

Der 1. Weltkrieg, aus dem 12 Ehemalige und 15 aktive Studenten nicht mehr zurückkehrten, brachte naturgemäß das Vereinsleben fast zum Erliegen. Dem „Wernigeroder Verband“ akademischer Vereine an Technischen Hochschulen gehörte der Akademische Verein als Gründungsmitglied seit 1921 an. Er beendete die Mitgliedschaft aus dessen Nachfolgeorganisation im Jahre 1976. Unmittelbar vor der Machtergreifung schloss sich noch der Akademisch-Technische Verein „Skizze“ dem Akademischen Verein an.

 

Die Geschehnisse des Jahres 1933 und später gingen auch am Akademischen Verein nicht spurlos vorüber, der sich im Jahre 1936 auflösen musste und später als Kameradschaft "Franz von Sickingen" weiterlebte. Diese Entwicklung wurde jäh unterbrochen durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges, der ebenfalls große Lücken in unsere Reihen riss. Schließlich ging im September 1943 das Vereinshaus mit allen Einrichtungen bei einem Luftangriff verloren. Am 11. Januar 1948 konnte der neu definierte und von der Bürde des traditionellen Erbes befreite „Akademische Verein Darmstadt" in bescheidenem Rahmen neu gegründet werden. Vorausgegangen war die behördliche Satzungsgenehmigung vom Juli und die Hochschulzulassung vom November 1947. Danach ist der neue Verein Nachfolger des am 11. Januar 1872 gegründeten gleichnamigen Vereins. Er bezweckt die "Pflege von Wissenschaft und Geselligkeit unter Studierenden und ehemaligen Studierenden der Technischen Hochschule Darmstadt" und sieht seine "besondere Aufgabe in der Weiterbildung seiner Mitglieder im Sinne der 'Universitas'“. Zur Zweckerreichung dienen "wissenschaftliche und gesellige Versammlungen, Musik, Gesang, Sport, das Vereinshaus und die Vereinsbibliothek".

 

Die Hausruine wurde 1955 durch einen Neubau ersetzt, so dass die Hausbewohner das Leben auf dem Haus und die Mitglieder die Vereinsziele und -traditionen stets in neuer und zeitgemäßer Form weiterführen können. Im Laufe der Zeit wurde auch die Satzung angepasst. Nicht wiederbelebt wurden die besonderen musisch-musikalischen Aktivitäten. Seit 1980 gehören dem Verein auch Damen an, wodurch das moderne und weltoffene Vereinsleben ganz wesentliche Impulse erhält. Schließlich stehen seit dem Hausanbau von 1994 jetzt insgesamt 18 Studentenzimmer für Mitglieder und Nicht-Mitglieder zur Verfügung und Internetanbindung via Standleitung seit 1997.

 

Heute umfasst der Verein wieder 200 Ehemalige und 45 aktive Studentinnen und Studenten, die im Juni 2017 ihr 145. Stiftungsfest begehen konnten.

 

Was genau gerade jetzt in der Merckstraße 11 passiert, siehst du dir am besten mit eigenen Augen an, indem du uns einfach besuchen kommst! Wir freuen uns!