News aus Wissenschaft & Technik/ Juni 2015 - SPEZIAL

von Bianca M.

Im Mai 2015 ging mal wieder eine tragische Nachricht um die Welt. Der geniale Mathematiker und Nobelpreisträger John Forbes Nash Jr. und sein Frau Alicia sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Da den Namen jeder der an der TU Darmstadt in irgendeiner Form mit Wirtschaftswissenschaften in Berührung kommt kennt, wird Ihm die Juni-Ausgabe des Newsletters gewidmet.

 

Demnach geht es diesmal nicht um News aus der Wissenschaft, sondern eher um ein Review: Das Leben, die Entdeckungen und die Auswirkungen der Entdeckungen von John Nash.

John Forbes Nash Jr. wurde am 13. Juni 1928 im Staat West Virginia geboren. Er schloss 1945 seinen Bachelor und 1948 seinen Master am Carnegie Institut of Technology in Pittsburg ab und promovierte 1950 in Princeton unter Albert W. Tucker. In Princeton traf Nash auch Einstein, mit dem er seine physikalischen Gedanken teilte und der ihn ermutigte, sich intensiver physikalischen Themen zu widmen, doch Nashs Leidenschaft war die Mathematik, die er in den kommenden Jahren ab 1950, im Rahmen eines geheimen Forschungsprojekts, während des Kalten Krieges einsetzten sollte, um mit Hilfe der Spieltheorie strategische Szenarien durchzurechnen.

Die Spieltheorie, vor allem Verhandlungsprobleme, interessierten ihn besonders. Für die Erkenntnisse wurde Ihm, gemeinsam mit Reinhard Selten und John Harasanyi, 1994 der Wirtschaftsnobelpreis verliehen.

 

Ein sehr bekanntes Beispiel seiner Arbeit, ist das Gefangenen Dilemma:

Bild: http://www.blicklog.com/
Bild: http://www.blicklog.com/

Und das geht so:

 

"Das Gefangenendilemma ist ein zentraler Bestandteil der Spieltheorie. Es handelt sich dabei um ein Dilemma mit zwei Spielern. Die Beteiligten haben die Möglichkeit zusammenzuarbeiten, um eine hohe Auszahlung zu erzielen, oder können sich für eine geringere Auszahlung gegenseitig verraten. Beide Spieler müssen ihre Strategie ohne Kenntnis der Wahl des jeweils anderen Spielers festlegen. Es ist daher möglich, dass ein Spieler das Gegenteil von dem tut, was der andere tut. In diesem Fall profitiert nur der Spieler, der den anderen verrät, wobei dieser besonders stark verliert. Da für beide Spieler damit identische Bedingungen vorliegen, ist das Gefangenendilemma ein symmetrisches Spiel. Des Weiteren kennen beide Spieler die eigenen Strategiemöglichkeiten und die des anderen Spielers und die jeweils dazugehörigen Auszahlungen für beide Spieler. Das Spiel kann damit in Normalform dargestellt werden. Das Gefangenendilemma taucht bei einer Vielzahl soziologischer und ökonomischer Fragestellungen auf. In den Wirtschaftswissenschaften wird das Gefangenendilemma als Teil der Spieltheorie auch den entscheidungsorientierten Organisationstheorien zugeordnet."


Mit Hausner, Shapley und Schubik entwickelte John Nash sogar sein eigenes Spiel namens So Long Sucker, in dem seine Überlegungen wiedergespiegelt werden. Die Regeln sind simpel, die Auswirkungen unter Umständen groß:

 

"This game was devised in 1950 as a simple social game to model the behavior of people when forming coalitions. To make progress in the game you must form a coalition with at least one other player, but to actually win requires betraying your coalition. It is said that 'The four authors still occasionally talk to each other' and the initial tests of the game resulted in married couples going home from parties in separate cabs.

The objective is to be the last player with a stockpile of chips. (Each player starts with seven of a unique color.) Each play reduces your stockpile by one chip, and it is replenished through captures or gifts from other players. Players have some measure of control over who plays next, but captures either benefit another player or require that another player chooses to let you make a capture.

Players may form any non-binding agreements provided that all discussion is done at the table. Working together allows players to capture chips and force other players out of the game. In the end, one player must betray their coalitions to win.

The authors are also responsible for inventing the dollar auction and a great deal of economic theory."

Hier das Spiel im Experiment:

Uhhh... Der Mensch kann so schön hinterhältig und sein.  Muhahahaaa...(räusper). Wer dazu neigt Ergebnisse von Spielen persönlich zu nehmen, sei hiermit dringend geraten die Finger davon zu lassen!

Wie in dem Video zu sehen ist, gleicht sich der Markt durch die unterschiedlichen Interessen der Spieler bzw. Wirtschaftssubjekte aus. Das sogenannte Nash-Gleichgewicht, stellt somit ein Verhandlungs-Optimum dar, indem jeder Spieler seine Interessen mit seinen Möglichkeiten verfolgt und dies auch immer wieder so tun würde.


Zwischen seinen akademischen Leistungen und dem Nobelpreis vergingen viele Jahre, in denen John Nash durch ein langes Tal der Finsternis wandern sollte. Wie viele vielleicht bereits aus dem oscarprämierten Film "A beautiful mind" wissen, litt John Nash an einer Form der Schizophrenie.

Im Alter von 30 Jahren veränderte sich sein Verhalten. Er hatte zunehmend aggressive Ausbrüche und neigte plötzlich verstärkt zur Fremdenfeindlichkeit. Die Position, die er zu dieser Zeit am MIT inne hatte, gab er auf, um nach einem Krankenhausaufenthalt durch die Welt zu reisen. Die nächsten 25 Jahre verbrachte John Nash zwischen Genesung, Arbeit, Rückfall und Klinikaufenthalt. In den 90er Jahren schließlich, schaffte es sein Verstand sich etwas zu erholen und gewann wieder an alter Schärfe. In den kommenden Jahren beschäftigte er sich zunehmend mit Geldtheorie.

Wer sich für die Biografie von John Forbes Nash interessiert: Für nur 6,- im Jahr könnt Ihr euch als Student/in einen Ausweis bei der Stadtbib Darmstadt holen. Fast alle Literatur ist dort kostenlos für 4 Wochen ausleihbar, nur ganz brand-heiße Sachen kosten 2,50/4Wochen. Dort könnt Ihr euch die Biografie über John Nash ausleihen, die von der bekannten Biografin Sylvia Nasar geschrieben wurde.

http://open-stadtbibliothek.darmstadt.de/Mediensuche/EinfacheSuche.aspx?search=sylvia+nasar, ebenso wie den Film.

Hier noch zwei weitere coole Videos, eine Dokumentation und ein Interview:


In der Hoffnung, dass ihr einen Einblick in the beautiful mind von John Nash erhalten habt und in Erinnerung an einen genialen Mathamatiker und Wirtschaftstheoretiker.

Bis zum nächsten Newsletter!


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