Das Wunder am "Bölle"

von Swantje V.

Am Pfingstsonntag gelingt dem SV Darmstadt 98 - man kann es nicht anders sagen - ein Wunder. Mit dem 1:0 Sieg über den FC St. Pauli schafft Darmstadt den Sprung in die 1. Bundesliga und holt damit den deutschen Spitzenfußball nach Darmstadt.

 Die Bühnen und Buden des gerade beendeten Schlossgrabenfestes blieben zur Feier des Aufstiegs noch einen Tag länger stehen und Darmstadt geriet am Sonntag in einen Ausnahmezustand. Die Bühne am Karolinenplatz wurde von den Fans des SV Darmstadt geflutet und kurzfristig in Karolilienplatz umbenannt.

Am nächsten Tag, also wenige Stunden nach der großen Aufstiegsfeier, startete die Darmstädter Mannschaft einen Autokorso vom Stadion aus in Richtung Rathaus, um dort den Bürgermeister zu treffen und sich zum zweiten Mal in zwei Jahren ins Goldene Buch der Stadt Darmstadt einzutragen....

Vor zwei Jahren drohte dem SV Darmstadt der Abstieg in die vierte Liga. Die Darmstädter Mannschaft blieb nur in der dritten Liga, weil den Kickers Offenbach die Lizenz für die Liga entzogen wurde. Zunächst als Außenseiter gestartet, mit dem kleinsten Etat aller Teams von nur fünf Millionen Euro und keinem einzigen Spielerzukauf, schaffte der SV Darmstadt dann den Aufstieg in die zweite Liga. Von dort aus marschierte die Darmstädter Elf jetzt weiter in die erste Bundesliga.

Der Trainer Dirk Schuster spielte vier Mal in der Nationalmannschaft der DDR und trainiert die Mannschaft seit 2012. Sein Credo sind lange Pässe in die gegnerische Spielhälfte und schnörkelloser Fußball, der durch Willen und nicht mit raffinierten Kombinationen den Erfolg sucht und nun auch gefunden hat. Das letzte Mal war Darmstadt 1981/82 in der Bundesliga.

Das Böllenfalltorstadion verdankt seinen Namen den Pappeln, die dort wachsen. Im Volksmund werden diese „Böllen“ genannt und noch heute findet man Pappeln auf der Nordseite des Stadions. Außerdem befand sich früher in der Nähe des Stadions ein Stadttor, das bei Bedarf geschlossen werden konnte – daher der Begriffsbestandteil "Falltor" im Namen.

Das Stadion soll bis 2017 umfassend renoviert werden und wurde erst letztes Jahr umbenannt in "Merck-Stadion am Böllenfalltor", indem die Namensrechte an das ortsansässige Chemieunternehmen Merck übertragen wurden. Also werden die Bundesliga-Vereine in der nächsten Saison mit einem etwas außergewöhnlichen Stadion Bekanntschaft machen. Die Wände sind wohl so dünn, dass man den Gesprächen aus der jeweils anderen Spielerkabine lauschen kann und auch sonst fehlt es an modernen Standards.

Wie dem auch sei, Fußball spielen lässt sich am Bölle allemal und demnächst eben auch Bundesliga-Fußball. Da darf man den Trainer Dirk Schuster hochleben lassen oder ganz vergnügt ob der Spitzenleistung vom Pfingstsonntag und mit einem Augenzwinkern die Entlassung des Trainers fordern, wie etwa Dominik Stroh-Engel sagt: "Wir haben zweimal in Folge das Saisonziel verpasst: den Klassenerhalt. Schuster raus … "

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